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GdB Wirbelsäule: Tabelle nach VersMedV und Widerspruch begründen
Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule, Schmerzen seit Jahren, und das Versorgungsamt setzt einen GdB von 10 an. Das ist oft kein Irrtum im Befund, sondern eine Frage der Einordnung: Die Tabelle für Wirbelsäulenschäden richtet sich nach Funktionseinschränkung und Zahl der betroffenen Abschnitte, nicht nach der Diagnose. Wer die Stufen kennt, kann den Widerspruch gezielt begründen.
GdB-Tabelle Wirbelsäule nach VersMedV Teil B Nr. 18.9
Quelle: Versorgungsmedizin-Verordnung, Anlage „Versorgungsmedizinische Grundsätze“, Teil B Nr. 18.9, wörtlich aus der Broschüre K 710 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, Stand Januar 2026, abgerufen am 24.09.2026 unter bmas.de (PDF, K 710).
| Wirbelsäulenschäden | GdB |
|---|---|
| ohne Bewegungseinschränkung oder Instabilität | 0 |
| mit geringen funktionellen Auswirkungen (Verformung, rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität geringen Grades, seltene und kurz dauernd auftretende leichte Wirbelsäulensyndrome) | 10 |
| mit mittelgradigen funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt (Verformung, häufig rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität mittleren Grades, häufig rezidivierende und über Tage andauernde Wirbelsäulensyndrome) | 20 |
| mit schweren funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt (Verformung, häufig rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität schweren Grades, häufig rezidivierende und Wochen andauernde ausgeprägte Wirbelsäulensyndrome) | 30 |
| mit mittelgradigen bis schweren funktionellen Auswirkungen in zwei Wirbelsäulenabschnitten | 30–40 |
| mit besonders schweren Auswirkungen (z. B. Versteifung großer Teile der Wirbelsäule; anhaltende Ruhigstellung durch Rumpforthese, die drei Wirbelsäulenabschnitte umfasst [z. B. Milwaukee-Korsett]; schwere Skoliose [ab ca. 70° nach Cobb]) | 50–70 |
| bei schwerster Belastungsinsuffizienz bis zur Geh- und Stehunfähigkeit | 80–100 |
Die Wirbelsäule besteht für diese Tabelle aus drei Abschnitten: Halswirbelsäule (HWS), Brustwirbelsäule (BWS) und Lendenwirbelsäule (LWS). Die Nummer 18.9 erfasst ausdrücklich auch Bandscheibenschäden, die Scheuermann-Krankheit, Spondylolisthesis, Spinalkanalstenose und das Postdiskotomiesyndrom, also Beschwerden nach einer Bandscheibenoperation.
Drei Sätze aus 18.9, die im Widerspruch oft fehlen
- Zusätzliche Ausfälle zählen extra. „Anhaltende Funktionsstörungen infolge Wurzelkompression mit motorischen Ausfallerscheinungen“, die Beschwerden bei Spinalkanalstenose und Folgen für innere Organe sind zusätzlich zu berücksichtigen. Eine Fußheberschwäche nach Bandscheibenvorfall gehört also nicht einfach in die 20 für die LWS.
- Schmerz kann über 30 führen. „Bei außergewöhnlichen Schmerzsyndromen kann auch ohne nachweisbare neurologische Ausfallerscheinungen (z. B. Postdiskotomiesyndrom) ein GdS über 30 in Betracht kommen.“
- Der Verlauf ist wichtiger als ein einzelner Termin. Für chronisch wiederkehrende Bandscheibensyndrome verlangen die Grundsätze aussagekräftige Daten „über einen ausreichend langen Zeitraum“, weil die Befunde im beschwerdefreien Intervall gering sein können. Ein einzelner guter Untersuchungstag beim Gutachter sagt also wenig.
So entsteht der Gesamt-GdB
Hast du neben dem Rücken weitere Leiden, bildet das Versorgungsamt einen Gesamt-GdB. Die Regeln stehen in Teil A Nr. 3 der Grundsätze (gleiche Quelle, Stand Januar 2026):
- Ausgangspunkt ist der höchste Einzel-GdB. „Berechnungsmethoden wie zum Beispiel Addition oder Mittelung sind nicht zulässig.“ (Nr. 3.2)
- Ein weiteres Leiden erhöht nur, wenn es die Gesamtbeeinträchtigung wesentlich verstärkt, also um mindestens 10.
- Leiden mit einem Einzel-GdB von 10 erhöhen den Gesamt-GdB von Ausnahmen abgesehen nicht, auch wenn es mehrere sind. Bei 20 ist es „vielfach nicht gerechtfertigt“, muss aber in jedem Fall geprüft werden (Nr. 3.5).
Ein konstruiertes Beispiel: LWS 30, Kniearthrose 20, Depression 20. Der Gesamt-GdB liegt dann meist bei 40 oder 50, nie bei 70. Ob die 50 erreicht wird, hängt davon ab, ob sich die Leiden gegenseitig verstärken, zum Beispiel weil Schmerz und Depression zusammen den Schlaf und die Belastbarkeit im Alltag drücken. Genau das musst du im Widerspruch belegen.
Widerspruch Schritt für Schritt
Muster: Begründung für die Lendenwirbelsäule
„Die Funktionsbeeinträchtigung der Wirbelsäule ist mit einem Einzel-GdB von 10 zu niedrig bewertet. Nach dem beigefügten Befundbericht von Dr. … vom … bestehen an der Lendenwirbelsäule eine anhaltende Bewegungseinschränkung (Finger-Boden-Abstand 35 cm) und Lumbalsyndrome, die etwa einmal im Monat auftreten und jeweils ein bis zwei Wochen andauern. Das entspricht nach Teil B Nr. 18.9 VersMedV schweren funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt mit einem GdB von 30. Zusätzlich besteht seit … eine Fußheberschwäche links infolge Wurzelkompression L5, die nach Nr. 18.9 gesondert zu berücksichtigen ist. Ich beantrage, den Einzel-GdB für die Wirbelsäule auf mindestens 30 und den Gesamt-GdB auf 50 festzusetzen.“
Die Zahlen im Muster sind Platzhalter. Übernimm nur, was deine Befunde tatsächlich hergeben, sonst verlierst du beim Gutachter an Glaubwürdigkeit.
Wenn der Widerspruch abgelehnt wird
Gegen den Widerspruchsbescheid kannst du binnen eines Monats beim Sozialgericht klagen. Für dich als Klägerin oder Kläger ist das Verfahren gerichtskostenfrei. Das Gericht holt häufig ein eigenes Gutachten ein, bei dem du tatsächlich untersucht wirst. Sozialverbände wie VdK und SoVD vertreten ihre Mitglieder im Widerspruch und vor Gericht.
GdB-Bescheid hochladen, Widerspruch erhalten
WiderspruchHeld liest den Bescheid des Versorgungsamts, erklärt die Einzel-GdB in Klartext und erstellt einen Widerspruch-Entwurf, der Akteneinsicht beantragt und deine Begründung je Erkrankung strukturiert.
GdB-Widerspruch erstellen →Häufige Fragen
Welcher GdB gilt für einen Bandscheibenvorfall?
Das hängt nicht an der Diagnose, sondern an den Folgen. Nach Teil B Nr. 18.9 VersMedV gibt es 10 bei geringen, 20 bei mittelgradigen und 30 bei schweren Auswirkungen in einem Abschnitt. Nervenausfälle wie eine Fußheberschwäche kommen zusätzlich dazu.
Was bedeutet mittelgradig und schwer in der GdB-Tabelle?
Mittelgradig heißt unter anderem häufig wiederkehrende und über Tage andauernde Wirbelsäulensyndrome, schwer heißt häufig wiederkehrende und Wochen andauernde ausgeprägte Syndrome. Dazu kommen Bewegungseinschränkung oder Instabilität des jeweiligen Grades.
Welchen GdB gibt es, wenn HWS und LWS betroffen sind?
Bei mittelgradigen bis schweren Auswirkungen in zwei Abschnitten sieht die Tabelle 30 bis 40 vor. 50 bis 70 gibt es erst bei besonders schweren Auswirkungen wie der Versteifung großer Teile der Wirbelsäule.
Wie lange habe ich für den Widerspruch Zeit?
Einen Monat ab Bekanntgabe (§ 84 SGG). Ein Bescheid per Post gilt am vierten Tag nach Absendung als bekannt gegeben. Die Begründung darf später kommen.
Werden die Einzel-GdB zusammengezählt?
Nein. Addition und Mittelung sind nach Teil A Nr. 3.2 der Versorgungsmedizinischen Grundsätze ausdrücklich unzulässig. Ausgangspunkt ist der höchste Einzelwert.
Ab welchem GdB gilt man als schwerbehindert?
Ab 50. Mit 30 oder 40 kannst du bei der Agentur für Arbeit die Gleichstellung beantragen, wenn dein Arbeitsplatz ohne sie gefährdet ist.
Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information zur Selbsthilfe und ersetzt keine Rechtsberatung. WiderspruchHeld erstellt Entwürfe zum eigenverantwortlichen Absenden. Stand: 2026-09-24.